Fisch des Jahres 2015: Der Huchen (Donaulachs)

Fisch des Jahres 2015 wird der Huchen (Donaulachs)

Pressemitteilung des Deutschen Anglerverbandes zum Fisch des Jahres.

Link: Fisch des Jahres bei Wikipedia

Gemeinsame PM des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV) und des Bundesamtesfür Naturschutz (BfN):


  • Der Huchen ist einer der größten heimischen Fische aus der Lachsfamilie
  • Natürliche Bestände sind durch Lebensraumverluste stark bedroht
  • Durchgängigkeit der Fließgewässer erhalten und wieder herstellen
Berlin/Bonn, 12.11.2014: Der Huchen (Hucho hucho) auch Donaulachs genannt, wurdegemeinsam vom Deutschen Angelfischerverband (DAFV) und dem Bundesamt für Naturschutz(BfN) in Abstimmung mit dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) zum Fisch des Jahres2015 gewählt. Der Huchen ist einer der größten heimischen Vertreter aus der Familie der Lachse(Salmoniden). Seine natürliche Verbreitung ist in Deutschland auf das Einzugsgebiet der Donaubeschränkt. Deshalb wird er auch als „Donaulachs“ bezeichnet. Der Huchen ist in seinenBeständen stark bedroht und wurde in die Rote Liste als vom „Aussterben bedrohte Tierart“aufgenommen. Ebenso ist er im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgelistet, womit er zu den Artengehört für die europaweit Schutzgebiete eingerichtet werden müssen.

Anfang des 20. Jahrhunderts war der Huchen in der Donau noch bis weit oberhalb Ulm und in denDonauzuflüssen wie Isar, Lech und Regen anzutreffen. Aber bereits 1881 gab es Hinweise auf diestarke Behinderung der Wanderungen von Huchen durch die Errichtung von Wehren. Durch denmittlerweile starken Verbau und die massive Regulierung der Donau und ihrer Nebenflüsse sinddie Wander- und Fortpflanzungsmöglichkeiten des Huchens so stark eingeschränkt, dass eineerfolgreiche Fortpflanzung und damit das Überleben in vielen Flussabschnitten nicht mehr möglichist. Mit dieser Situation steht der Huchen stellvertretend für zahlreiche Fischarten unsererFließgewässer.

„Der Erhalt des Huchens im Donausystem erfordert engagiertes Handeln aller Beteiligter: Zurzeitwerden Huchen hilfsweise nachgezüchtet und durch Angelfischer im Donauraum besetzt, um sodie noch verbliebenen Bestände zu stützen. Dies kann aber nur als eine vorübergehendeNotmaßnahme gesehen werden“, sagte Dr. Christel Happach-Kasan, die Präsidentin desDeutschen Angelfischerverbandes. Zum Schutz des Huchens und dem Aufbau sich wieder selbstreproduzierender Bestände, ist es zwingend notwendig die letzten natürlichen Gewässerabschnittezu erhalten und mit Renaturierungsmaßnahmen den verloren gegangenen Lebensraumwiederzugewinnen. „Dadurch sollen isolierte Bestände Verbindung erhalten. Dabei stehen dieWiederherstellung und Erhaltung frei durchwanderbarer Fließgewässer mit natürlicherGewässerdynamik und Gewässerstruktur im Vordergrund. Das käme nicht nur dem Huchenzugute sondern allen angestammten Bewohnern unserer heimischen Gewässer“, ergänzte BfNPräsidentinProfessorin Beate Jessel.

Hintergrund: Der Huchen hat einen langgestreckten, im Querschnitt fast runden Körper. Auf dem kupferfarben-rotbraunenbis grünlichgrauen Rücken befinden sich zahlreiche kleine dunkle Tupfen. Er kann über 25 Kilo schwer undüber 1,40 m lang werden; einzelne Exemplare erreichten früher auch über 1,5 m Körperlänge. Er steht alsRaubfisch in seinem Lebensraum an der Spitze der Nahrungskette. In der Literatur werden Nasen undBarben als typische Beute genannt. Auch deren Vorkommen sind in unseren vielfältig geschädigtenFließgewässern beeinträchtigt.

Der majestätisch anmutende „Donaulachs“ liebt schnellfließende, kühle und sauerstoffreiche Gewässer mitsteinigem oder kiesigem Grund, den er für die Eiablage benötigt. In stau-regulierten Flussstreckenverschlammt oft der Boden. Dies hat zur Folge, dass der Huchen dort keine geeigneten Laichplätze findet. Inkiesigen Bereichen der Äschen- und Barbenregion werden die Eier im März/April vom Weibchen in selbstgeschlagenen Laichgruben abgelegt. Die geschlüpften Larven halten sich im Schutze der Kies- undSteinlücken auf und wachsen schnell heran. Im zweiten Jahr können Huchen bereits eine Länge von 30Zentimetern erreichen. Geschlechtsreif ist der Huchen mit drei bis vier Jahren, seine Lebensdauer wird mitbis zu ca. 15 Jahren angegeben. Am Laichgeschehen nehmen meist erst Tiere ab 80 cm Länge teil,weshalb vielerorts das Schonmaß zum Schutz der natürlichen Bestände auf über 90 cm gesetzt wurde.

Der Huchen ist kein typischer Wanderfisch, der lange Wanderstecken überwindet und dabei auch das Meeraufsucht. Er ist in dieser Hinsicht nicht mit dem verwandten Lachs oder dem Aal vergleichbar. Aber auch derHuchen wandert. Zur Laichzeit verlässt er seinen Standort. Seine Wanderungen in flussaufwärts gelegeneseichte und kiesige Flussstellen zum Ablaichen können sich bis über 100 km erstrecken. Der Weg dorthin istin vielen Zuflüssen der Donau durch Wasserkraftwerke und Querverbauungen versperrt. Allein in der Isarsind 35 Wasserkraftwerke in Betrieb, das erste wurde bereits 1896 errichtet. Neben den Verschlammungenvon Staubereichen gefährden Wasserableitungen und die zu geringen Restwassermengen, oft inZusammenhang mit dem Schwallbetrieb von Wasserkraftanlagen, die Huchenbestände.

Foto-Hinweis:
Foto: Herbert Frei