Fisch des Jahres 2014: Der Stör

Der Stör

Pressemitteilungdes Deutschen Anglerverbandes zum Fisch des Jahres. 


Link: Fisch des Jahres bei Wikipedia

Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) hat in Abstimmung mit dem Bundesamt fürNaturschutz (BfN), dem Verband Deutscher Sporttaucher (VDST) und dem ÖsterreichischenKuratorium für Fischerei und Gewässerschutz (ÖKF) den Stör zum Fisch des Jahres 2014gewählt.



Zwei Störarten waren bis in den Anfang des letzten Jahrhunderts in unseren Flüssen heimisch:der Europäische Stör (Acipenser sturio) in Elbe und Rhein und der Atlantische Stör(Acipenser oxyrhinchus) in der Oder. Inzwischen gelten beide Arten als ausgestorben. DerVerlust von Laichplätzen durch die Veränderungen der Gewässerstruktur,Aufstiegshindernisse durch Gewässerverbauungen sowie Verschmutzung und Überfischungsind Hauptursachen für das Verschwinden des Störs.

Der Stör ist ein Wanderfisch, der im Meer lebt, aber zum Laichen wie Lachs und Meerforellein die Flussläufe aufsteigt. Ohne vom Meer in die Flüsse zu wandern, können Störe keinesich selbst reproduzierenden Bestände aufbauen. Der Deutsche Angelfischerverband hat denStör als Fisch des Jahres gewählt, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Verbau unsererFließgewässer durch Wehre und Wasserkraftanlagen die Wiederansiedlung von wanderndenheimischen Fischarten verhindert. Bei der anstehenden Novelle des EEG (ErneuerbareEnergien Gesetz) muss der Fischartenschutz mehr Beachtung finden als bisher: Kein weitererVerbau unserer Flüsse und Bäche, Investitionen in Fischtreppen und Umgehungsläufe, umden Fischen das Wandern zu ermöglichen.

Der Europäische Stör (A. sturio) war mit einer Maximallänge von über 5 Metern einst unseregrößte heimische Fischart. Während des letzten Jahrhunderts sind seine Bestände drastischzurückgegangen. In Deutschland gilt er als verschollen oder gar ausgestorben. Der Verlustvon Laichplätzen durch die Veränderungen der Gewässerstruktur, Aufstiegshindernisse durchGewässerverbauungen sowie Verschmutzung und Überfischung sind Hauptursachen für dasVerschwinden des Störs.

Mit einem stammesgeschichtlichen Alter von 250 Millionen Jahren sind Störe älter als dieDinosaurier und zählen zu den urtümlichsten Wirbeltieren auf unserem Planeten. Seine langeSchnauze, die 5 Reihen von Knochenplatten auf seinem Körper, die weit nach hinten gerückteRückenflosse und seine haifischähnliche, asymmetrische Schwanzflosse verleihen dem Störein einzigartiges Erscheinungsbild. Seine Nahrung, die hauptsächlich aus Würmern,Weichtieren, Krebsen und kleinen Fischen besteht, sucht er am Gewässergrund. Vier langeBarteln helfen dabei, Essbares mit dem vorstülpbaren Maul aufzunehmen.

Der Europäische Stör ist ein Wanderfisch, der den größten Teil seines Lebens im Meer oderim Brackwasser verbringt. Zum Laichen steigt er, wie beispielsweise der Lachs, die Flüsseauf (anadrome Wanderung). Die Eiablage erfolgt im Frühsommer in der Strömung aufKiesgrund. Die erwachsenen Tiere wandern danach wieder ins Meer oder Brackwasserzurück. Die Jungtiere bleiben im ersten Lebensjahr im Süßwasser und ziehen dabei langsam flussabwärts. Nach zum Teil langen Wanderungen im Meer werden die Männchen mit 9-13Jahren, die Weibchen mit 11-18 Jahren geschlechtsreif.

Das Verbreitungsgebiet des Störs reichte von der Ostatlantikküste über Nordskandinavien bisMarokko, es gab ihn im Mittelmeer und im Schwarzen Meer. Seine Laichwanderung führteihn in Rhein und Elbe jeweils bis in die Oberläufe. Noch in den zwanziger Jahren desvergangenen Jahrhunderts wurde ein Stör in der Vechte, ein Nebenfluss der Ems, gefangen.Heute kommt der Europäische Stör nur noch selten im Nordostatlantik vor, von wo aus er indie Gironde in Frankreich zum Laichen aufsteigt. Das Gironde-Garonne-DordogneFlusssystem stellt somit sein letztes Fortpflanzungsgebiet in Europa dar.Forscher, Behörden, Angler und Artenschützer arbeiten seit Gründung der Gesellschaft zurRettung des Störs e.V. 1994 gemeinsam daran, in deutschen Gewässern wieder sich selbstreproduzierende Bestände zu etablieren. Ursprünglich sollten dazu Störe aus dem Bestand dersüdfranzösischen Gironde in der Oder ausgesetzt werden. Begleitende genetischeUntersuchungen von Museumsexemplaren, die aus der Ostsee stammten, wiesen darauf hin,dass es sich bei diesen Exemplaren um einen amerikanischen Verwandten, den AtlantischenStör (A. oxyrinchus), handelte. Er wanderte vor ungefähr 1200 Jahren über den Atlantik indie Ostsee und ihre Zuflüsse ein und wurde bei uns heimisch.

Zum Erhalt und der Wiedereinbürgerung sind vielfach mit Unterstützung des Bundesamtesfür Naturschutz seit 1996 eine Reihe von Vorhaben realisiert worden, die dieWiedereinbürgerung der beiden Arten in Nord- und Ostsee zum Gegenstand hatten. DieArbeiten wurden durch die Gesellschaft zur Rettung des Störs koordiniert undwissenschaftlich vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin(IGB) und der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei MecklenburgVorpommernbegleitet. Das Vorhaben wurde 2013 als Beispielsprojekt der UN-Dekade derBiodiversität ausgezeichnet. Im Nordseeeinzugsgebiet wird mit dem Europäischen Stör (A.sturio) besetzt, im Ostseeeinzugsgebiet mit dem Atlantischen Stör (A. oxyrinchus).Der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) unterstützt die Versuche, die unternommenwerden, um den Stör als natürlichen und angestammten Bewohner unserer heimischenGewässer zu retten. Schließlich wäre es mehr als schade, wenn er in Zukunft alsausgestorbene Art nur noch in unserer Erinnerung oder als seltenes Museumsstück existentwäre. Zudem ist der Stör durch die Vielzahl der genutzten Lebensräume und seine positiveVerankerung in der Gesellschaft eine ideale Schirmart, um die Anforderungen derFlussfischarten für ein nachhaltiges Management auch zum Nutzen anderer, wenigercharismatischer Arten, zu kommunizieren.

Berlin, den 7. November 2013
V.i.S.d.P.
Deutscher Angelfischerverband e.V.
Dr. Christel Happach-Kasan
- Präsidentin -

Foto: Philipp Freudenberg