Baggerarbeiten am Ehrenbach


Der Ehrenbach entspringt aus zwei Quellbächen die auf der Gemarkung Ohmenhausen/Reutlingen liegen. Nach Immenhausen vereinigen sich die Wasserläufe und gurgeln munter in Mäandern durch eine reichhaltige Auenlandschaft mit Feuchtwiesen der rechtseitigen Mündung der Steinlach zu. Die Mündung befindet sich etwas unterhalb der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes Wiesaz. Steinkrebse, die als Anzeiger für "gering belastetes" Wasser gelten, kommen bis zum Einfluss in die Steinlach vor. Die Sohle besteht aus reichhaltigem Steinsubstrat. An den Ufern finden wir einige besonders geschützte, sogenannte §24a Biotope. Mühlkoppen sind sehr häufig anzutreffen, aber trotz dieser für Bachforellen idealen Verhältnisse kommt sie sehr selten vor. Dies könnte an der Mündung liegen.

Ehrenbach
Diese Schwellen sind von Fischen nicht zu überwinden

Im Mündungsbereich des Ehrenbachs fließt die Steinlach geradlinig dahin und hat sich eingetieft. Dies geschah durch die Umlegung des Flusses beim Bau der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes. Da der Ehrenbach nicht diese Geschiebekraft besitzt, haben sich an der Mündung drei Naturschwellen auf einer Buntmergelschicht ausgebildet. Der Absturz beträgt zusammen etwa einen Meter. Diese Schwellen sind von Fischen und Wasserinsekten nicht zu überwinden. Auch die Nachfolgende, ca. zehn Meter lange und glatte Gesteinsschicht aus Buntmergel, auf der im Sommer die Wassertiefe nur einen cm beträgt, ist von diesen Tieren nicht zu bewältigen.

Das bedeutet, dass der Ehrenbach von der Steinlach aus nicht mehr bevölkert werden kann, es ist kein Fischaufstieg möglich, der Fischbestand im Mündungsbereich ist somit ausgedünnt. Das bedeutet aber auch, dass keine abgelaichten Fische mehr vom Ehrenbach in die Steinlach gelangen können.

Eine der primären Aufgaben von Fischereivereinen ist solche Schwachstellen aufzudecken und versuchen sie zu beheben. Nur so gelangt man mit der Zeit zu einem natürlichen, gesunden Fischbestand, zu nachhaltiger Gewässerbewirtschaftung.


Ehrenbach
Beim Durchbrechen der Schwellen

Nach einem verhältnismäßig aufwendigen Genehmigungsverfahren, der Bagger stand auf Tübinger Grund und löffelte in Dußlinger Gewässer, entschärften wir am Samstag den 26.01.02 diese Situation.

Der Inhaber der Fa. Erich Seif aus Dußlingen stellte sich und einen Bagger zur Verfügung und mit acht freiwilligen Helfern vom KFV durchbrachen wir die Schwellen.

Die Steile Mündung wurde nach hinten gezogen und aus einer Kombination von kurzen Fließstrecken und kleineren Gumpen für Kleinfische durchwanderbar gestaltet. Es kommen in diesem Steinlachbereich Elritzen, Schmerlen und Mühlkoppen vor.

In der dahinterliegenden glatten Mergelschicht konzentrierten wir das Wasser in einer neu gezogenen Gewässerrinne bis an das natürliche Bachbett hin. Auch in dieser Rinne befinden sich Ruhezonen in Form von kleinen Gumpem. Direkt in die Mündung grub der Bagger in die großflächige Gesteinsplatte einen Unterstandgumpen, bei dem sich das Wasser des Ehrenbaches mit dem der Steinlach vermischt. Dies hat folgenden Vorteil:
Etwas oberhalb des Unterstandes liegt der Einfluss der Kläranlage des Abwasserzweckverbandes, durch den es immer wieder zu Fischsterben kommt. Bei dem totalen Fischsterben im Sommer 95 und 96 lagen auf den Schwellen der Mündung einige tote Bachforellen. Sie müssen vergeblich versucht haben in den sauberen Ehrenbach zu gelangen. Im September 2001 war ein Mühlkoppensterben in diesem Bereich der Steinlach zu beobachten.

Diese Fische bekommen jetzt eine Überlebenschance. Sie können in den Ehrenbach einsteigen oder im Mischwasser unterstehen.

Ehrenbach   Ehrenbach
Vor dem Ausbaggern werden die grossen Steine geborgen,
sie werden später wieder eingebracht
  
So erspart man sich das Einschaufeln in den Schubkarren

Die Arbeiten führten wir bewusst im Januar durch. Durch den gefrorenen Boden richteten wir keinen Flurschaden an und die Störungen in der Tier und Pflanzenwelt sind gering. Allerdings hatten wir bei der Aktion ziemlich viel Wasser, so dass wir noch ein wenig nacharbeiten müssen. Der Fischbestand des Ehrenbaches soll nun in Zukunft genauer untersucht werden, um zu sehen ob der Rückbau der Mündung sich positiv auswirkt.

Es war eine reine Freude Erich Seif beim Baggern zuzusehen. Sein vorsichtiges agieren verrät, dass er als Jäger und Angler von der Materie etwas versteht. Ach uns anderen hat es sehr viel Spaß gemacht, mal wieder so wie früher richtig "rumzumatschen".

Michael Faiß
(Gewässerschutzbeauftragter)