Fliegenfischen

Ein Angler sitzt stundenlang regungslos  am Wasser, einsam und stumm starrt er auf seinen Bissanzeiger und wartet auf den Anbiss eines Fisches. So langweilig stellt sich die Allgemeinheit das Angeln vor. Abgesehen davon, dass diese Vorstellung falsch ist, gibt es natürlich Angelmethoden die das aktive Aufspüren und Befischen der Flossenträger durch den Angler ermöglichen. Eine dieser Methoden ist das Fliegenfischen.



Beim Fliegenfischen wird speziell auf Fische geangelt, die man zuvor aufgespürt hat oder aber es werden Gewässerbereiche gezielt mit der künstlichen Fliege auf ganz bestimmte Fischarten abgesucht und abgefischt. Dabei ist die Bezeichnung „Fliege“ für den Fliegenfischer ein Sammelbegriff für relativ leichte Kunstköder, die den Fisch zum Anbeißen verführen sollen.

„Fliegen“ können somit nicht nur geflügelte Insekten, sondern das gesamte Nahrungsspektrum der Fische nachbilden. Von einer Eintagsfliege über eine Wasserschnecke bis zu einem kleinen Fisch, aber auch mal ein Algenbüschel oder ein verunglückter Käfer – all das kann Vorbild für eine „Fliege“ sein.

Eintagsfliege
Eintagsfliege Nachbildung

Jedes Gewässer bietet den dort lebenden Fischen sein ganz spezifisches Nahrungsangebot. Eine Fliege, die dem aktuellen Angebot nahe kommt und in natürlicher Weise präsentiert wird, ist somit in der Regel eine erfolgreiche Fliege! Jahreszeitlich bedingt, verändert sich das Angebot an Fliegen im Verlauf des Angeljahres. Außerdem sind bei den Wasserinsekten die verschiedenen Entwicklungsstadien wie Nymphe, Puppe, schlüpfendes oder Eier ablegendes Insekt zu unterscheiden, spezifisch zu interpretieren und anzubieten.

Für ein erfolgreiches Fliegenfischen ist trotzdem kein Biologiestudium erforderlich. Meistens reichen so genannte „Gruppenmuster“ aus, um die Fische ansprechen zu können.
Allerdings setzt die Präsentation der Fliege, d. h. das Werfen der Fliege mit einer Fliegenrute, etwas Wurftechnik und somit etwas Übung voraus. 
Dieser Wurf mit der Fliegenrute macht die Fliegenfischerei aber auch so reizvoll und attraktiv. Mit der Wathose bis zum Bauch im Wasser stehen und Fische in unmittelbarer Umgebung mit einem gekonnten Fliegenwurf zu beangeln gehört zu den "highlights" des Fliegenfischens.

Für das elegante Präsentieren stehen dem Fliegenfischer dabei verschiedene Wurfstile und zahlreiche Wurfvarianten zur Verfügung, die aber, wie schon erwähnt, ein gewisses Können erfordern. Der spezielle Fliegenwurf und die ausgewogene Wurftechnik  bedeuten für viele Fliegenfischer jedoch die Erfüllung ihrer Leidenschaft.

Fliegenfischen ist naturbewusste Angelfischerei

Die Fischerei mit der künstlichen Fliege wird fast ausschließlich mit Einfachhaken ohne Widerhaken betrieben. Die Fliegen sind kleine Kunstwerke, meist vom Fischer selbst aus Federn, Fellen, Haaren oder aus Synthetikmaterialien gebunden. Deshalb wird nach dem Anbiss dieser Kunstköder vom Fisch in der Regel nicht geschluckt. Im Gegenteil, verpasst der Angler den Anhieb, wird die Kunstfliege vom Fisch sofort wieder ausgespuckt. Dies und der widerhakenlose Einzelhaken minimieren die Verletzungsgefahr für die Fische. Somit werden kleine Fische, die in den Gewässern natürlicherweise häufiger verkommen als große, behutsam und schnell wieder ins Wasser zurückgesetzt. Fliegenfischen, richtig betrieben, ist somit die schonenste Art die Fischwaid auszuüben.

Fliegenfischen im KFV


Aufgrund des Vorgenannten ist das Fliegenfischen die ideale Befischung der Bäche des Kreisfischereivereins.

Bachforelle

Aber auch im Neckar und vor allem in der Donau finden sich sehr schöne Bereiche die sich gut mit der Fliege befischen lassen. Neben Äschen und Bachforellen können im Neckar und in der  Donau natürlich alle Weißfische und die kampfstarken Barben mit der Fliege befischt werden.

Äsche

Zudem versuchen sich Spezialisten mit der Fliege auf Hechte. Hechtfischen mit der Fliege funktioniert sowohl in den Fließgewässern wie auch in den Baggerseen.

Wurde die Flugangelei in früheren Jahren lediglich von einer überschaubaren Zahl von Anglern im KFV ausgeübt, so wird zwischenzeitlich das Fliegenfischen auf die unterschiedlichsten Fischarten von zahlreichen Vereinsmitgliedern des KFV mit Begeisterung betrieben.

Fliegenfischen, mit den leichten Fliegenruten, den filigranen Kunstködern ist aber auch die ideale Angelmethode für Mädchen und Frauen. In den letzten Jahren trifft man infolgedessen auch immer mehr Fliegenfischerinnen am Wasser. Im Fluss stehend, präsentieren sie mit perfektem Wurf ihre Kunstfliegen den Fischen.

Dass die Zahl der Fliegenfischer-Enthusiasten im KFV ständig wächst, liegt nicht zuletzt auch an der Fliegenfischergruppe des KFV.
Fliegenfischergruppe im KFV

Die Fliegenfischergruppe besteht aus ca. 50 Vereinsmitgliedern und versteht sich als loser Zusammenschluss Gleichgesinnter, welche dem Virus Fliegenfischen, der eine mehr der andere weniger, verfallen sind.

Zu Anfang trafen sich die Mitglieder nur am Wasser zum Fischen und entdeckten dabei ihre gemeinsamen Interessen. Daraus entwickelten sich im Lauf der Zeit einige sehr schöne Freundschaften.
1994 wurde der „Fliegenfischer-Stammtisch“ ins Leben gerufen. Seither trifft sich die Fliegenfischergruppe im Winterhalbjahr einmal im Monat im Vereinsheim zum Stammtisch.

In lockerer Gesprächsrunde werden nicht nur die neusten Geschichten und Anglerlatein getauscht, sondern auch Fliegen gebunden und gemeinsame Unternehmungen geplant.
Fliegenfischen lernen mit der Fliegenfischergruppe des KFV

Die Faszination des Fliegenfischens verbindet und ist ein unerschöpfliches Thema in der Fliegenfischergruppe des KFV Tübingen.
Durch Schulungen im Werfen mit der Einhandrute und der Zweihandrute, im Binden von Trockenfliegen, von Nymphen, Streamern und Lachsfliegen sowie durch Beratung bei der Zusammenstellung des Gerätes für den Neuling und für spezielle Angeltechniken, wurde schon immer versucht andere Angler für die Fliegenfischerei zu begeistern.

Da von der Fliegenfischergruppe nahezu das gesamte Spektrum der Fliegenfischerei ausgeübt wird, stehen dem Interessierten Informationen über die Fliegenfischerei vom kleinen Bach bis zum großen Strom, von den Seen und Talsperren bis zur Meeresküste in vielen Gewässern Europas, in Neuseeland und Kanada zur Verfügung.

Erfahrungen in der Fischwaid auf sämtliche Salmonidenarten, auf Cypriniden sowie auf Hecht und Zander werden von den Mitgliedern der Gruppe gerne weiter vermittelt.

Fliegenfischen und Umweltschutz


Aber nicht nur Fliegenfischen allein, auch der Umweltschutz und die Hege des Fischbestandes liegen der Fliegenfischergruppe am Herzen. Verschiedene Aktionen der Gruppe, so z.B. Ufer-Renaturierung, Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur  oder das Anlegen von neuen Forellenlaichplätzen wurden am „Stammtisch“ geplant und von der Fliegenfischergruppe am und im Wasser umgesetzt.

Wilhelm Weidle