Ausbildung und Fischerprüfung in Baden-Württemberg

(Ursprünglich erschienen im "Kreisfischer" 4/2002)

Die einzelnen Landesfischereiverbände (LFV) in Baden-Württemberg erkannten bereits in den 60er Jahren, wie wichtig es ist, dass die angehenden Angler eine Ausbildung verbunden mit einem Sachkundenachweis bzw. eine Sportfischerprüfung erhalten. Die Ausbildungsbeauftragten in den einzelnen Verbänden erarbeiteten Lehrgangsrichtlinien, Prüfungsfragen und Prüfungsbogen. Die Aus- und Fortbildung der Ausbilder wurde für den süddeutschen Raum an der Bayerischen Landesanstalt für Fischerei in Starnberg durchgeführt. Ende der 70er Jahre wurde in Deutschland eine Arbeitsgruppe gebildet, die eine "Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sportfischerprüfung im VDSF" (Verband Deutscher Sportfischer e.V.) erarbeitete.

Um zu verdeutlichen, warum bereits in diesem Zeitraum eine Ausbildung notwendig war, möchte ich aus einem Bericht von Karl Amann (Ausbildungsbeauftragter des LFV Südwürttemberg-Hohenzollern) wörtlich zitieren:

"Ab 1960 wuchsen sowohl die Vereine, als auch deren Mitgliederzahlen in unserem Verband. Um die Hege und Pflege der Gewässer und deren Bewohner wurde es immer schlechter. Das Wissen um unser Wasser und unsere Wasserbewohner war mehr als schlecht bestellt. Mir wurden sogar frisch eingesetzte einsömmrige Karpfen als Rotaugen für die Bratpfanne vorgewiesen. Einer zeigte mir herrliche Forellen und in Wirklichkeit waren es Döbel. Eine Unterscheidung der Bach- von der Regenbogenforelle war völlig unbekannt. Auch wir künftigen Ausbilder und Prüfer mussten damals die Erfahrung machen, dass unser Wissen nur sehr dürftig war und daher besuchten wir eifrig die einzige, in Starnberg bestehende, Ausbildungsstätte. Mit dem inzwischen verstorbenen 1. Vorsitzenden des LFV, Herrn Dr. Alfred Eberle, begannen wir hier Ordnung zu schaffen. Die Prüfungen wurden in zäher Kleinarbeit aufund ausgebaut und auch durchgeführt und heute kann ich ihnen ein gutes Ergebnis vorlegen." (Karl Amann)

Abschnitt I (1958 - 1980)

Drei Prüfungsbogen mit zusammen 60 Fragen und ein Fragenkatalog mit 360 Fragen wurden von den Verbänden erarbeitet. Die Lehrgänge und die Prüfungen bestanden aus einem theoretischen und einem praktischen Teil.

"Mit Wirkung vom 1. Juli 1972 tritt die bei der Hauptversammlung des Verbandes 1971 in Bernkastel beschlossene Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sportfischerprüfung im VDSF in Kraft und ist für alle LFV verbindlich " ( VDSF Rundschreiben 3/72)

Bereits 1977 wurde im VDSF eine aktualisierte "Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die Sportfischerprüfung im VDSF" "Mit Fragenzusammenstellung, Literaturhinweisen und den Bestimmungen für das Casting-Sportabzeichen" erarbeitet und an die LFV weitergegeben.

Zur Deckung der Unkosten wurde eine Gebühr von 20 DM für Jugendliche, 40 DM für Mitglieder und 70 DM für Gäste erhoben.

In den Jahren 1958 bis 1980 wurden in Baden-Württemberg ca. 80.000 ischerprüfungen durch die LFV abgenommen und 8.000 Schulungen mit 120.000 Unterrichtsstunden durchgeführt.

Abschnitt II (1981 - 1994)

Viele Gesetze, Erlasse und Verordnungen, manche noch aus der Länderzeit, regelten die Fischerei in Baden-Württemberg. Es war an der Zeit, ein Fischereigesetz und eine Fischereiverordnung zu verfassen.

Das Fischereigesetz für Baden-Württemberg vom 14.11.1979 ist zusammen mit der Landesfischereiverordnung vom 10.12.1980 am 1. Januar 1981 in Kraft getreten.

Die bisherigen freiwilligen Fischerprüfungen, die seit 1958 durch die LFV durchgeführt worden waren, werden, durch den mit dem Gesetz eingeführten Sachkundenachweis, ersetzt. Die Verbände hatten schon frühzeitig die Notwendigkeit einer Fischerprüfung erkannt, in den Vordererund aber die Schulung gestellt. Nicht nur der gesamte Stoff der Fischerei, wie Fischkunde, Hege und Pflege des Fischwildes, Fischkrankheiten, Pflege der Gewässer, Rechtskunde über einschlägige Gesetze, sondern auch der Naturschutz, Artenschutz und Tierschutz wurden behandelt. Daneben war die Gerätekunde eine Schulung wert. (Henny, Präsident des Dachverbandes, 1983)

Die Einführung der Fischerprüfung im Jahre 1958 hat den Initiatoren Recht gegeben. Nicht nur der einzelne Fischer, sondern auch die Vereine mit ihren Gewässerwarten haben verantwortungsbewusste und echte Naturschützer heranbilden können.

Die Landratsämter in BW waren nun für die Staatliche Fischerprüfung zuständig. Aber ein für die Fischerei wichtiger Bestandteil fehlte. Jedermann konnte, ohne einen Vorbereitungslehrgang, in Selbstschulung, die Prüfung ablegen. Viele Prüfungsteilnehmer machten von dieser Möglichkeit Gebrauch, obwohl die Vereine Vorbereitungslehrgänge anboten. Die Vereine wollten berechtigter Weise an ihre Gewässer nur Angler zum Fischfang zulassen, die eine Schulung nachweisen konnten. Die sogenannten Autodidakten wurden nicht in die organisierten Vereine aufgenommen.

Abschnitt III (ab 1995)

Bereits 1993 leitete der Präsident des Dachverbandes in Baden-Württemberg, Dr. Ulrich, eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Verbände, Vereine, Ausbilder und Fischereibehörden. Diese Arbeitsgruppe machte sich zur Aufgabe, eine verbesserte Schulung und einen Fragenkatalog mit einem Leitfaden für die Ausbildung zu erstellen. Bereits 1995 wurde der neue Fragenkatalog mit 831 Fragen in BW eingeführt.

Dr. Artur Ulrich erreichte eine Änderung des FischG und der FischVo in BW. Mit Wirkung vom 1. März 1995 wurde eine Verordnung zur Änderung der Landesfischereiverordnung in Kraft gesetzt, in der der erfolgreiche Besuch eines anerkannten Vorbereitungslehrgangs des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg e.V. vor der Staatlichen Fischerprüfung zur Pflicht gemacht wurde. Ziel dieser Neuregelung war, die zukünftigen Angler noch intensiver als bisher für einen verantwortungsbewussten und sachkundigen Umgang mit der Kreatur und Natur vorzubereiten und zu schulen. Lang war der Weg, aber er wurde durch die Zähigkeit und Zielstrebigkeit der Verantwortlichen für die Natur und Fischerei erreicht. Die neu geschaffenen Ausbildungsrichtlinien, der Leitfaden, der Fragenkatalog und die Prüfungsordnung fanden eine bundesweite Beachtung und Anerkennung. Andere Bundesländer orientierten sich an ihr.

Das Land ermächtigte den LFV, die Vorbereitungslehrgänge flächendeckend in BW durchzuführen. Der Bestand an Ausbildern und Schulungsorten im Land war ungenügend, zumal viele ältere Ausbilder nicht mehr bereit waren, sich in die neue Materie einzuarbeiten. Schon 1993 wurden die ersten Ausbilderseminare in Baden-Württemberg durchgeführt.>/p>

Die ersten drei Seminare für Ausbilder fanden im Vereinsheim des Kreisfischereiverein Tübingen e.V. statt. Bis zu drei Ausbilderseminaren mit bis zu 75 Teilnehmern werden seit 1995 jährlich in der "Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt Aulendorf" durchgeführt.

Eine gute Qualität kann in der Ausbildung nur gehalten werden, wenn ständig neue Impulse einfließen. Stillstand in der Ausbildung bedeutet Rückschritt.

Allen, die dazu beigetragen haben, dieses hohe Ziel zu erreichen, sei an dieser Stelle herzlich gedankt.

Benno Janßen, (Referent für Ausbildung)