Von der Internetseite des VDSF: Kormoranproblem – es bewegt sich etwas in Europa

Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europäischen Kormoran-Management-Plan sind die europäischen Angler einen wichtigen Schritt vorangekommen. Der SPD-Europaabgeordnete Dr. Heinz Kindermann hat im Brüsseler Europaparlament eine Initiative gestartet, zu der so-wohl der VDSF als auch unsere in der European Anglers Alliance (EAA) organisierten Partner viel beigetragen haben.
Bereits Ende Juni wurde die Kormorandebatte im Fischereiausschuss des Europaparlaments auf Dr. Kindermanns Antrag hin eröffnet. Dabei hatte auch Dr. Franz Kohl (Österreichisches Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz, ÖKF) der die Interessen der EAA im ORNIS- Komitee vertritt (beratendes Organ für alle Fragen der EU Vogelschutzrichtlinie) die Möglichkeit, die Positionen der Angelfischerei darzustellen.
Als nächster Schritt unter Dr. Kindermanns Federführung folgte die gemeinsame Erstellung eines Arbeitsdokumentes. Es bildet die Grundlage für den Entwurf einer Entschließung des Europäischen Parlaments hinsichtlich der Erstellung eines „Europäischen Bestandsmanagementplans für Kormorane“.
Das Grundlagenpapier wurde am 15. Juli im Beisein von Mitgliedern der EU-Kommission im Fischereiausschuss des Europaparlaments vorgestellt und beraten. Darin fordern Kindermann und auch die EAA die EU dazu auf, Kernfragen zur Kormoranproblematik endlich eindeutig zu klären. Immer noch ist man sich innerhalb der EU uneinig über gesicherte wissenschaftliche Daten wie Populationszahlen, Fressverhalten oder wirtschaftliche und ökologische Folgen durch den Kormoranfraß. Zu der Sitzung waren auch Dr. Franz Kohl und EAA-Generalsekretär Jan Kappel geladen, die die Parlamentarier und Mitglieder der Kommission über die Standpunkte der Europäischen Angler informierten.
Die EU-Kommission hat sich zwar inzwischen vom Totalschutz des Kormorans verabschiedet und den Mitgliedsstaaten rechtliche Möglichkeiten eingeräumt, regional Maßnahmen zur Vermeidung von Kormoranschäden zu ergreifen. Einige Mitgliedsstaaten bzw. untergeordnete Dienststellen verweigern jedoch immer wieder derartiges Vorgehen unter Berufung auf eine von „Europa“ vorgegebene Pflicht zum Kormoranschutz. Deshalb kommt die Lösung der Kormoranproblematik nicht voran.
Im Grundlagenpapier von Dr. Kindermann heißt es deshalb folgerichtig: „ ... rein lokale und/oder nationale Maßnahmen sind erwiesenermaßen nicht imstande, die Einwirkungen der Kormorane auf die Europäischen Fischbestände und die Fischerei nachhaltig zu reduzieren. Ein gemeinsamer, rechtlich verbindlicher Ansatz, der europaweit akzeptiert und umgesetzt wird, ist daher nicht nur begrüßenswert sondern unbedingt erforderlich, und würde nicht zu-letzt allen beteiligten Interessengruppen mehr Rechtssicherheit bieten.“  Am 8. September soll die Debatte um den gesamteuropäischen Kormoran-Management-Plan in die nächste Runde gehen. In der Zwischenzeit werden Dr. Kindermann und die EAA einen ausführlichen Bericht zur Vorlage bei der EU anfertigen.

EAA-Generalsekretär Jan Kappel hat im Auftrag von EAA-Präsident Peter Mohnert (VDSF) inzwischen alle 785 Abgeordneten des Europäischen Parlaments per elektronischen Rundbrief über die Positionen der EAA zur Kormoranproblematik informiert. Ende des Jahres soll dann zunächst im Fischereiausschuss und wenig später im EU-Parlament darüber abgestimmt werden, ob die EU dieser Initiative für den Gesamteuropäischen Kormoran Management Plan folgt. Um alle Abgeordneten des Europäischen Parlaments nochmals vor der Abstimmung zu informieren findet unter der Leitung von Dr. Kindermann und anderen Europaabgeordneten am 4.11. 2008 in Brüssel eine die Zielrichtung unterstützende Kormorankonferenz unter Beteiligung der EAA, des VDSF und des DFV statt.

Deshalb wird die EAA ihre Bemühungen noch verstärken und versuchen, mit dem Thema Kormoran noch stärker Politik und Öffentlichkeit zu einem Umdenken im Sinne des Fischartenschutzes zu bewegen.