Hechttag(e)

„Da jagen welche“ hieß es plötzlich, die Stimmung wurde, wenn auch nur kurzzeitig, um Längenbesser. Die ‚welchen’ waren tatsächlich mehrere Hechte, die nach einem mehr oder weniger verkorksten Angeltag Anfang November am Neuen See einem Scharm Kleinfische hinterher waren. Doch unsere Kunstköder fanden einfach keine Beachtung – deswegen verabredeten wir uns, d.h. mein Freund Michel und sein Onkel Miro, am nächsten Tag wieder an der gleichen Stelle Morgen fing alles sehr viel versprechend an. Schon beim Ruten-Zusammenstecken hörten und sahen wir die Hechte wieder jagen, die Spannung wuchs ins Unermessliche. Als die Ruten schließlich montiert und die toten Köderfische am Haken waren, wurden die aussichtsreichen Stellen angeworfen.

Hechttage Zu dritt angelten wir mit vier Ruten in unterschiedlichen Distanzen und Tiefen. Es dauerte ca. eine Stunde, bis es den ersten ‚Zupfer’ gab, der sich dann aber recht schnell zu einem rasanten Biss entwickeln sollte – Anhieb! Jedoch leider etwas zu früh angeschlagen, aber nicht von mir, sondern von Michel, der mir vorher noch wertvolle Tipps gegeben hatte, unter anderem, dass man nicht zu schnell anschlagen solle. Keine halbe Stunde später war ich an der Reihe, es fing wieder ganz vorsichtig an, bis die Pose dann schlagartig nach unten weggezogen wurde – ich wartete, anders als Michel, ein wenig und schlug dann an – „der sitzt!“ Nach einem kurzen aber umso intensiveren Drill konnten wir den wunderschön gezeichneten Hecht keschern. Bei 70 cm wog der Hecht stramme 2,5 kg. Wir freuten uns riesig, da wir alle drei in diesem Jahr noch mäßigen Hecht gefangen hatten. Für mich war es sogar der erste mäßige in den Tübinger Gewässern. Nach mehreren Umarmungen und Jubelschreien (ja, so etwas gibt auch noch beim Angeln, auch wenn es „nur“ um einen 70er Hecht geht), und nachdem ich den Hecht versorgt hatte, warf ich meinen Köder erneut aus. Die Hechte ließen sich durch unseren Trubel nicht davon abhalten, sich weiter vor unseren Augen die Bäuche vollzuschlagen – es dauerte auch keine halbe Stunde, bis sich wieder etwas an einer Pose tat. Es war die Rute, die ungefähr einen Meter entfernt vom Ufer ausgelegt war, an der sich der nächste Biss ankündigte. Diesmal ging es aber um einiges schneller: Die Pose wackelte und verschwand dann kerzengerade in der Tiefe. Wieder war ich es, die es als erste bemerkte und dementsprechend handelte – kurz gewartet, Anschlag! Schon wieder hing ein Hecht am Haken! Es war wie ein déjà-vu: kurzer aber heftiger Drill, mit erfolgreichem Ausgang – ein nicht weniger schöner, aber 10 cm kleinerer Fisch wurde aus dem Wasser gezogen. Nach vorsichtigem Enthaken ‚glitt’ mir dieser Hecht ‚leider’ aus den Händen, um sich ein paar Minuten später wieder in voller Aktion zu zeigen. Parallel zu meinem Drill, biss es auch ein paar Meter weiter bei Miro, doch auch er musste weiter auf sein Erfolgserlebnis warten – der Hecht hatte es sich anders überlegt. Danach, es war bereits 10 Uhr früh geworden, musste ich leider wieder zusammenpacken, da die Uni rief.

Michel und Miro blieben voller Hoffnung nach diesem tollen Auftakt noch den ganzen Tag am See. Abends, als ich schon längst gemütlich auf dem Sofa lag und mir die Bilder des aufregenden Tages durch den Kopf gehen ließ, kamen die beiden schließlich grummelnd von ihrem verlängerten Angelausflug nach Hause; geknickt erzählten sie mir, dass sich seit meinem Weggehen rein gar nichts mehr geregt hatte. Tja, man muss halt nur wissen wie

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