Fischen im Ausland - Beim Heringsangeln an der Ostsee im Mai 2008

ein ältester Sohn lebt in Schleswig Holstein in der Nähe von Rendsburg. Er ist ebenso wie ich ein begeisterter Angler. Ein kleines Motorboot macht ihn etwas mobiler. Schon vor längerer Zeit haben wir beschlossen, einmal zusammen Heringe zu angeln. Im Mai diesen Jahres war es dann soweit. Es hieß, die Heringe sind in den Flussmündungen an der Ostseeküste angekommen. Am Himmelfahrtstag fuhren wir am frühen Morgen dann mit Auto und Boot auf der B 203 von Rendsburg über Eckernförde hinauf nach Kappeln an die Mündung der Schlei. Das Wetter war durchwachsen, aber es regnete nicht. Wir ließen das Boot vom Trailer ins Wasser gleiten. Mein Sohn Klaus bediente den Motor, mein elf Jahre alter Enkel Maximilian und ich waren Begleitpersonal.

Nachdem wir unter der großen Brücke hindurchgefahren waren, sahen wir, dass schon einige Boote mit ihren Besatzungen am Angeln waren. An der Kaimauer des Hafens standen ebenfalls eine ganze Reihe Angler und kurbelten an ihren Angeln. Viele Segeljachten warteten auf eine Durchfahrtsmöglichkeit an der Zugbrücke. Erste kleinere Boote mit starken Männern und Bier an Bord begingen mit geschwellter Brust das Vatertagsfest. Im Hafenbereich spielten schon einige Bands lautstark die Begleitmusik zum Heringsfest. Wir suchten einen geeigneten Angelplatz für unser Boot. Der Motor wurde abgestellt und der Anker ausgeworfen. Zwischen sechs und acht Meter tief war das Wasser an dieser Stelle.        

Klaus hatte einige Tage vorher für mich und für ihn die Angelerlaubnis und die dort üblichen Montagen für die Ruten besorgt. Es werden, ähnlich wie die „Hägene“ für Barsche am Bodensee, Angelschnüre mit bis zu vier Haken, die mit einem kleinen Fischimitat versehen waren, verwendet. Ein Senkblei sorgte für die nötige Zugkraft ins Wasser. Die Ruten sollten dabei eine feine Aktion haben. Je eine Rute pro Angler war dann rasch bestückt. Klaus nahm am Heck Platz, ich am Bug. Maximilian war in der Mitte. Die Aufgabe, die wir Maximilian zugedacht hatten, war die Unterstützung beim Abhängen der Heringe von den Haken und beim Abschlagen derselben. Vor Klaus und mir stand jeweils ein Eimer für den Fang. Petri Heil und Petri Dank bekamen dabei einen besonderen Sinn.      

Nun wurden die Montagen ausgeworfen. Nachdem Bodenberührung gefühlt wurde, begann ein feines Auf und Ab mit der Rute. Klaus spürte den ersten Biss. Behutsam holte er die Montage an Bord. Ein kräftig zappelnder Silberling mit rund 25 cm Länge wurde in den Eimer befördert. Auch ich spürte Berührung. Ebenfalls ein Hering mit 20 cm war an einem Haken. Maximilian nahm den klitschigen Zappler in Empfang. So ging das weiter. Manchmal waren sogar drei oder vier Fische gleichzeitig an der Montage. Bis zu 30 cm konnte ein Hering lang sein. Wir angelten mit großer Begeisterung. Die Eimer füllten sich mit der Zeit. Die silbernen Heringe mit den perlmuttfarbenen Seiten hatten es uns angetan. Wir vergaßen einfach die Zeit. Es störten nur manchmal die klitschigen kleinen Schuppen an den Händen beim Abhängen des Fangs. Die Sonne brachte das Wasser zum funkeln. Gerötete Arme und Gesicht vom leichten Sonnenbrand waren die Folge. Der frische Geruch des Wassers stieg einem bei einer leichten Briese in die Nase. Beeindruckend war auch die oft mit Sirenengeheul begleitete Durchfahrt von bis zu 50 Segeljachten aller Größen bei geöffneter Zugbrücke. Ein Raddampfer fuhr die Schlei hinauf. Man vergaß das Angeln beim Zuwinken. Auch das Heringsfest am Kai entwickelte sich und viele Menschen säumten das Ufer. Nach einigen Stunden hatte jeder von uns rund 170 Fische in seinem fast voll gefüllten Eimer. Und das mit jeweils nur einer Angel.            

Wir beschlossen, den Anker zu lichten und das Boot auf den Trailer zu packen.  Ein Besuch auf dem Heringsfest war angesagt. Kräftiger Hunger meldete sich. Wie bei uns auf den Dorffesten rote Würste auf dem Grill liegen, so wurden  beim Heringsfest in Kappeln die frisch gefangenen Heringe gebraten und zum Verzehr angeboten. Auch andere Köstlichkeiten wie Maischolle wurde frisch zubereitet. Wir schlemmten in Fisch. Nachdem wir noch über die Vergnügungsmeile geschlendert waren und ein frisch gezapftes Bier zu uns genommen hatten, traten wir den Heimweg an.

Zuhause angekommen wartete eine neue Herausforderung auf uns. Die gefangenen Fische mussten ausgenommen und für die Gefriertruhe hergerichtet und portionsweise eingeschweißt werden.  Zum Glück bekamen wir Unterstützung im Hause. Auch die Nachbarn wurden mit Fischgeschenken bedacht und es herrschte einfach eitel Freude über den gelungenen Tag. Das Köstlichste jedoch war nach erledigter Arbeit das Abendessen, bestehend im Wesentlichen aus frisch gebratenen Heringen, etwas Bratkartoffeln und einem rassigen Rieslig im Glas.  

Helmut Däuble