Fischen früher - Gespräch mit Manne

Ein Fisch schmeckt so wie das Gewässer, meint Manne. In Burlafingen nach dem Kraut, im Neckar so wie früher (nach Schuhcreme). Am liebsten ist Manne ein sauberer Baggersee. Seine Frau bereitet seine Fänge zu. Gern bringt er eine Schleie oder einen Karpfen heim. Zubereitet wird bei Manne am liebsten im Sud. Manne ist kein Forellen- oder Bodensee-Felchen-Fan, da er findet, dass deren Fleisch trocken schmeckt. Es gäbe auch Leute, so Manne, die mit ausgefeilter Technik und schwimmendem Brot Graskarpfen fangen würden. Das mache er nicht, denn, wenn er einen Graskarpfen heimbrächte, würde er dort „recht verseggelt“.

Früher haben die Franzosen in Tübingen den Neckar manchmal mit Karbid befischt. Durch die Druckwelle ist den Fischen die Schwimmblase geplatzt und man konnte sie Kieloben einsammeln.

1970 haben die Fischer noch nicht so viel Zubehör gekauft wie heute. Manne kauft sich „nach acht Jahren mal eine neue Schnur oder einen Haken“. Heute werde soviel Material gekauft, weil die Anglerläden „so viel Kruscht“ anbieten. Manne angelt nach bewährter Technik mit Schwimmer oder auf Grund.

Seinen schönsten Fang hat Manne an der Donau vom Boot aus gemacht. Ein Zander mit 75 Zentimeter. Der sei so losgegangen, dass erst mal die Angel weg war – die hat er und sein Kumpel dann wieder ins Boot gefischt. „Aloi hätt i den net raus bracht.“

Früher habe man gern mit lebendem Köderfisch gefischt, aber das dürfe man heut wegen der Tierschützer nicht mehr, bedauert Manne. Gebetet habe man „Lieber Gott, fang lieber dei Überschwemmung bei de Goga ou, denn evangelisch sind se sowisou.“ 1968 bestand die Fischerprüfung aus 250 Fragen, heute haben wir ca. 800.

Walter Mayer, auch am Tisch, erzählte nebenbei, dass er seine Fischerprüfung in „der Wohnstube beim Amann“ abgelegt habe. Ich hoffe, dass er mir diese Geschichte an einem Abend im Vereinsheim mal genauer schildert.

Manne erzählt noch etwas Anglerlatein, in diesem Heft zu finden unter der Überschrift „Fischerlatein“ und übergibt mir ein schönes Gedicht von Hermann Hesse, das dieser im Schönbuch in der Nähe von Lustenau in einen Stein geklopft hat. Das findet sich in diesem Heft unter der Überschrift „Fischer-Poesie“. Manne schließt das Gespräch auch mit einem Gedicht:

„Das Fischen und das Jagen
Hat noch nie viel eingetragen,
aber ist das Jagen besser,
denn beim Fischen wirst du nässer.“

Ich danke Manne ganz herzlich für das Gespräch und danke ihm ganz besonders, dass ich von ihm und den anderen am Tisch über „Fischen früher“ lernen durfte. Die Redaktion des Kreisfischers wünscht Manne Gesundheit, ein friedliches Heim und Petri Heil.