Aktuelles zum Kormoran

Um über bekannte Fakten und neue Erkenntnisse zu informieren, hat der Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V. am 16. Februar 2008 das Seminar „Kormoran und Fischartenschutz“ veranstaltet. Neben vielen Fischerkollegen aus ganz Baden-Württemberg habe auch ich an dem Seminar teilgenommen und gebe nachfolgend einige Informationen weiter. Natürlich ist dieser Bericht keine umfassende wissenschaftliche Abhandlung, sondern eine Auswahl von mir persönlich für wichtig empfundener Informationen und Einschätzungen.

Der Kormoran, ein sehr erfolgreiche Fischräuber

Bereits vor dreißig Millionen Jahren gab es einen Vogel, der dem heutigen Kormoran sehr ähnlich war. Der Kormoran hat sich in dieser langen Zeit sehr gut und erfolgreich an seine Umwelt angepasst. Er ernährt sich fast ausschließlich von Fischen. Mit seinem schlanken Körper, dem „durchnässbaren“ Gefieder und seinem Schnabel ist er optimal für die Unterwasserjagd auf Fische ausgestattet. Gefressen werden vor allem die Fische, die in ausreichender Menge leicht erbeutet werden können. Bei entsprechend verfügbaren Futterfischen braucht ein Kormoran nur ca. 15 Minuten um seinen täglichen Nahrungsbedarf von ca. 400 – 500 g Fisch zu erbeuten. Wenn es erforderlich ist, fliegen sie aber auch für ihre Jagd bis zu 50 km zu einem Gewässer. Die Vögel können 10 bis 15 Jahre alt werden und sind sehr anpassungsfähig. So können sie sowohl auf Bäumen aber auch auf dem Boden brüten. Beim Jagen sind sie alleine oder in Gruppen unterwegs. Wenn die leicht zu erbeutenden Fische in optimaler Größe (z. B. Äsche, Rotauge, Rotfeder) nicht mehr vorhanden sind, kommen sie auch mit anderen Fischen oder Gewässern gut zurecht. So wurden z. B. im Restrhein Kormorane beim gemeinschaftlichen Jagen im nur 10 bis 15 cm tiefen Wasser beobachtet, die sogar die Steine umdrehten um noch den kleinsten Fisch zu erwischen.

Rechtsstatus und Bestand

Im Jahr 1979 wurde der Kormoran in den Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie aufgenommen. Das bedeutete, dass die Mitgliedsstaaten besondere Schutzmaßnahmen ergreifen mussten um den Kormoran zu erhalten und seine Entwicklung zu fördern. Nach positiver Bestandsentwicklung wurde im Jahr 1997 der Kormoran aus dem Anhang I gestrichen. Er kam jedoch nicht in den Anhang II mit den jagdbaren Vogelarten. Somit ist er als europäische Vogelart immer noch geschützt und darf im Grundsatz nicht bejagt werden. Hiervon kann jedoch in begründeten Ausnahmefällen abgewichen werden. So gibt es u. a. in Baden-Württemberg (BW) seit 1997 eine Kormoranverordnung, nach der ein Abschuss von Kormoranen unter bestimmten Auflagen zulässig ist. Zum derzeitigen Bestand gibt es keine wirklich exakten Zahlen. Beim Zählen kommen Vogelschützer und Fischer auf unterschiedliche Zahlen. Jedoch kann wohl von einem Bestand von ca. 1 Million Kormoranen in Europa ausgegangen werden. Hier kann sicherlich nicht mehr von einer bestandsgefährdeten Art gesprochen werden. Und der Bestand vergrößert sich weiter. Zwar sind die Bestände in den letzten Jahren in den Bereichen Dänemark, Niederlande und Norddeutschland nicht mehr oder nur gering gewachsen, aber in Schweden und verschiedenen baltischen Ländern nehmen die Kormoranbestände weiter rasant zu. Auch im Binnenland gibt es immer mehr Brutpaare. So ist der Bestand in BW von 1997 bis heute von 0 auf ca. 430 Brutpaaren angewachsen. An manchen Gewässern kann zwischenzeitlich sogar ein größerer Sommer- als Winterbestand an Kormoranen festgestellt werden. Die Wirksamkeit lokaler Vergrämungsmaßnahmen im Binnenland während des Winters bleibt durch die fast grenzenlose Verfügbarkeit nachrückender Vögel eingeschränkt.

Einfluss auf die Fischbestände

Zwischenzeitlich liegen die Ergebnisse von vielen wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Aus Brandenburg, Thüringen und BW wurden Ergebnisse vorgestellt, die folgende Aussagen belegen:

  • Nach einem Kormoraneinfall ist ein hoher Anteil der nicht gefressenen Fische verletzt. Bei Kontrollfängen im Restrhein waren z. B. 50 % der Nasen verletzt.
  • Eine gute Gewässerstruktur schließt den Befall durch Kormorane nicht sicher aus. Im Winter 2006/2007 haben z. B. Kormorane die sehr strukturreiche Wutachschlucht heimgesucht.
  • In von Kormoranen befallenen Gewässern fehlt der „Mittelbau“ des Fischbestandes (Größen von 10 bis 30 cm) fast völlig.

Die vermehrungsschwachen Fische (z. B. Aal und Salmoniden) sind besonders gefährdet. In Thüringen wurde z. B. an einem Fluss mit früher sehr gutem Äschenbestand nach dem Winter 2005/2006 mit starkem Kormoraneinfall auf einer Strecke von 9 km nur noch eine einzige maßige Äsche gefunden.

Von Vogelschützern wird zum Teil argumentiert, dass die Fischbestände nur teilweise durch den Kormoran beeinträchtigt werden. So würde die Veränderung des globalen Klimas, Gewässerverschmutzung und die falsche Besatzpolitik der Fischer (vorrangig beliebte räuberische Fische wie Zander, Hecht, Regenbogenforelle usw.) die Fischbestände viel stärker beeinträchtigen. Auch die vom Menschen veränderten und nun strukturlosen Gewässer hätten erheblich zum Rückgang der Fische beigetragen. Diese Aussagen konnten durch vergleichende Untersuchungen widerlegt werden. Hierzu wurden an nahe beieinander liegenden und gleichartigen Abschnitten eines Gewässers die Fischbestände untersucht. Der einzige größere Unterschied war, dass eine Stelle von Kormoranen bejagt und die andere Stelle nicht bejagt wurde. Bei den bejagten Stellen betrug der Fischbestand nur noch 50 % bis 17 % der unbeeinträchtigten Stelle! Was ist zu tun?

Dem Kormoran wird sein Lebensrecht nicht abgesprochen. Jedoch können wir auch nicht warten bis sich von alleine ein Gleichgewicht einstellt. Das würde vermutlich bedeuten, dass bis dahin bei uns verschiedene Fischarten ausgerottet sind.Beim Seminar wurden folgende Forderungen aufgestellt bzw. Empfehlungen gegeben:
  • Aufnahme des Kormorans in den Anhang II der EU-Vogelschutzrichtlinie zu den jagdbaren Vogelarten (jedoch ohne Wildschadenspflicht für die Jäger).
  • Installation eines europaweiten Kormoranmanagement.
  • Beibehaltung und gegebenenfalls Intensivierung der lokalen Vergrämungsmaßnahmen.

Für die Umsetzung dieser Punkte müssen wir gegenüber unseren Politikern eintreten und entsprechenden Druck ausüben. Aus meiner Sicht kommen wir nur bei entsprechend gebündelten Maßnahmen voran, hier sind unsere Fischereiverbände gefordert.

Das mindeste aber, was jeder von uns machen kann, ist ganz einfach. Nämlich die beobachteten Kormorane zu notieren. Denn es darf nicht sein, dass die Behörde bei Diskussionen zum Kormoran die Aussage macht „…..im Bereich XY gibt es kein Kormoranproblem, von dort liegen keine Kormoranmeldungen vor….“. Hier müssen wir uns an die eigene Nase fassen, bzw. zum Stift und Papier greifen. Zur leichteren Dokumentation liegen in der Geschäftsstelle entsprechende Formulare aus. Ich habe mir bereits ein Formular abgeholt.

Andreas Maier