Baggerbiss und Regenbogen

Bereits seit Jahrzehnten bzw. Jahrhunderten haben wir Menschen den Lauf der Bäche und Flüsse nach unseren Vorstellungen verändert. Im Jahr 1990 zeigte jedoch ein Jahrhunderthochwasser an der Donau (beim Pegel Hundersingen statt dem Normalabfluss von 29 m³/s ein HQ100 von 475 m³/s) auf, dass diese Eingriffe auch deutliche Nachteile haben können. Die großen Schäden an Gebäuden, Straßen, Brücken usw. führten dazu, dass das Integrierte Donau-Programm (IDP) gegründet wurde. Durch vielfältige Maßnahmen sollen ähnliche Schäden in der Zukunft vermieden werden. Mit zum Integrierten Donau-Programm gehört auch die Revitalisierung der Donau zwischen Hundersingen und Binzwangen. Da auch ein Teilstück unseres Fischereirechtes von der Baumaßnahme betroffen ist, wurde der KFV zum offiziellen Baubeginn eingeladen.

Auf dem Weg nach Binzwangen am 06. Mai 2009 ist es bewölkt, windig und immer wieder gibt es einen Regenschauer. Etwas südlich vom Sportplatz in Binzwangen ist ein kleines Festzelt aufgebaut, in dem das Projekt vorgestellt wird. Neben Vertretern des Regierungspräsidiums Tübingen, erläutert Frau Umweltministerin Gönner selbst, die landesweit bislang größte Revitalisierung eines Fließgewässers.

Baggerbiss an der Donau 1

Die Laufbegradigungen der Donau in der Vergangenheit führten zu einem Eingraben des Flusses in den Untergrund (bis zu 3 m). Das Grundwasser sinkt dadurch immer weiter ab. Die angrenzenden Auelandschaften trocknen aus und die dort heimischen vielfältigen Lebensgemeinschaften sterben ab. Weiter ist im eingetieften Flussbett kein Rückhalteraum für ein Hochwasser vorhanden.

Baggerbiss an der Donau 2 

Durch die 3,5 Millionen Euro teure Baumaßnahme sollen diese negativen Auswirkungen verbessert werden. Die Kosten werden zu 42 % von der EU übernommen, der restliche Kostenanteil trägt das Land Baden Württemberg. Zwischen Hundersingen (Ortsteil von Herbertingen) und Binzwangen (Ortsteil von Ertingen) erhält die Donau auf einem bisher 2,7 km langen Teilstück, ein neues Flussbett. Die Fließlänge wird um ca. 400 m verlängert und das Gefälle reduziert sich in diesem Bereich entsprechend. Das neue Flussbett erhält etwa die doppelte Breite wie bisher und bleibt weitgehend unbefestigt. Hierdurch ist eine natürliche Gewässerentwicklung zu erwarten. Die Anbindung der neuen Wasserspiegelhöhe an das Unterwasser erfolgt durch eine Sohlgleite aus großen Blocksteinen am unteren Ende der Ausbaustrecke. Das alte Flussbett muss teilweise verfüllt werden, um ein Durchbrechen der Donau in den alten Lauf zu verhindern. Mit der beschriebenen Baumaßnahme wird auch unser Donaustück von 2,5 km im unteren Teil auf ca. 1.000 m neu gestaltet.


Die bauliche Umsetzung des Projektes erfolgt in zwei Bauabschnitten. Zuerst wird die Sohlgleite ab Mai 2009 erstellt. Anschließend wird der untere Teil des neuen Flussbetts mit einer Länge von 850 m gebaut. Parallel wird im oberen Abschnitt des neuen Flussbetts ein Vorabtrag ausgeführt; der dort gewonnene Kies soll bei einer nahen Straßenbaumaßnahme verwendet werden. Im zweiten Bauabschnitt ab 2010 wird der obere Teil des neuen Flussbetts ausgestaltet. Die Flutung des neuen Gerinnes ist je nach dem Verlauf der Baumaßnahme Ende 2010 oder Anfang 2011 vorgesehen. Nach der Flutung kann das alte Gewässerbett in den vorgesehenen Abschnitten verfüllt werden.   Baggerbiss an der Donau 3 

Entsprechend dem derzeit vorgesehenen Bauablauf wird unser Donaustück im Jahr 2009 noch nicht von der Maßnahme betroffen sein. Im Jahr 2010 vermutlich auch noch nicht bzw. erst zum Ende des Jahres. Nach der Flutung des neuen Gewässerbetts wird sicherlich eine gewisse Zeitspanne erforderlich sein, damit Fische und Fischnährtiere von unter- und oberhalb zuwandern. Mittelfristig wird eine positive und vor allem natürliche Entwicklung des Fischbestandes durch die sich einstellende vielfältige Gewässerstruktur erwartet.

Im Anschluss an die Projektvorstellung wurde die Baumaßnahme mit einem Baggerbiss durch die Umweltministerin offiziell begonnen. Nach einem anschließenden Imbiss und Gesprächen mit verschiedenen Projektbeteiligten habe ich noch etwas Zeit, bevor ich nach Tübingen zurück muss. So nutzte ich natürlich diese Gelegenheit und fahre an „unser“ Donaustück.

Beim Herantreten ans Ufer, sehe ich einige Bachflohkrebse im seichten Wasser „herumwuseln“. Außer dem Rascheln des Windes in den Bäumen und dem Rauschen des Wassers ist nichts zu hören. An einem großen Gumpen möchte ich mein Glück versuchen. Den Köder lasse ich einige Male im klaren Wasser von der starken Strömung in den Gumpen treiben. Plötzlich ein Ruck und ein Fisch ist am Haken. Stark zieht der Fisch in Richtung Gumpenauslauf, so dass ich dem Fisch folgen muss. Da blitzt im tiefen Wasser etwas Rotes auf. Uuups, eine etwa 50 cm lange Nase habe ich am Schwanz gehakt – daher der große Widerstand. Schnell löse ich den widerhakenlosen Haken und lasse die Nase schonend ins tiefe Wasser zurück gleiten. Nach ein paar weiteren Würfen wieder der erhoffte Ruck in der Leine. Kurz darauf kann ich eine knapp 1.300 g schwere Regenbogenforelle glücklich in den Kescher dirigieren. Für mich, ein wahrlich schöner Saisonauftakt an unserer Donau.

Regenbogenforelle

Zufrieden mache ich mich auf den Nachhauseweg. Bei der Fahrt über die Schwäbische Alb kommt die Sonne hinter den Wolken hervor, das frische Grün der Bäume und Wiesen leuchtet mit dem strahlenden Gelb des Löwenzahns um die Wette. Ach ja - vielen Dank Philipp, für Deine Beharrlichkeit bei den Verhandlungen zum Kauf des Fischereirechts an der Donau. Ohne Deinen Einsatz würde uns und den Mitgliedern des Kreisfischereivereins Tübingen in der Zukunft wohl nicht dieses schöne Fischwasser zur Verfügung stehen.

Andreas Maier