Das Koi-Herpesvirus (KHV)

Wie sich Anfang der Woche nach wissenschaftlichen Untersuchungen am staatlichen tierärztlichem Untersuchungsamt in Aulendorf bestätigt hat, ist in unseren Seen in Burlafingen das Koi-Herpesvirus ausgebrochen. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle, ergänzend zu den Informationen im Vorwort weiteres Wissen im Zusammenhang mit dieser Erkrankung verursacht von dem KHV weitergeben.

Bei dem Koi-Herpesvirus handelt es sich um ein Herpesvirus, welches alle Karpfenarten und Kois befällt und in diesen Populationen eine Mortalität von 80-100% hervorruft. Tiere die die Infektion überleben, tragen nach heutiger Kenntnis und in Analogie zu den anderen Vertretern der Herpesviren bei anderen Spezies (einschließlich dem Mensch), das Virus zeitlebens in sich und fungieren als Quelle für erneute Ausbrüche. Weiter ist nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft bekannt, dass andere Fische (Rotauge, Karausche, Graskarpfen) ebenfalls durch KHV infiziert werden können, jedoch werden diese Fische nicht krank, das Virus hält sich verborgen, ist latent in diesen Populationen. Dadurch ist ein weiteres Reservoir vorhanden, aus welchem heraus sich immer wieder Ausbrüche entwickeln können, z.B. wenn ein neuer Karpfenbesatz erfolgen würde oder wenn überlebende Karpfen sich vermehrt haben oder die verbliebene Karpfenpopulation durch äußere Einflüsse, wie ungünstige Großwetterlagen oder Sauerstoffknappheit unter Druck gerät. KHV kann in diesen Situationen reaktiviert werden und die Karpfenpopulation wieder dezimieren.

Bei Ausbreitung dieser Infektionskrankheit, bei der es sich nebenbei bemerkt um eine meldepflichtige Erkrankung handelt (dies ist auch durch den KFV Tübingen geschehen), ist der Karpfenbestand über unsere Gewässer hinaus, ernsthaft gefährdet. Eine Bekämpfung des KHV in freier Natur ist nicht möglich, d.h. wir werden nach derzeitigem Wissensstand über Jahre hinaus auf eine Karpfenbesatz und auf das Karpfenangeln (Sie werden über kurz oder lang fast alle verenden) in den Seen in Burlafingen verzichten müssen, da es ein Reservoir für das KHV in anderen Fischen gibt, die die Karpfen stets wieder infizieren würden. Damit dies in unseren anderen Gewässern in Tübingen nicht ebenfalls passiert, müssen die bereits von Philipp im Vorwort genannten Maßnahmen, strikt eingehalten werden. Das heißt konkret, nach jedem Angeln in Burlafingen sind die Gerätschaften mit essigsaurem Wasser zu reinigen oder mind. eine halbe Stunde in der prallen Sonne zu trocknen. Auf keinen Fall dürfen Angelutensilien/ -zubehör feucht an andere Gewässer verbracht werden. Der derzeitige Kenntnisstand ist der, dass eine Übertragung auch durch tote und tief gefrorene Fische erfolgen kann. Daher dürfen keine toten Köderfische aus Burlafingen in anderen Gewässern verwendet werden. Die Konsequenzen sollten jedem klar sein: Auch in Tübingen kann es dann zu einem Ausbrechen der Seuche kommen und auch in Tübingen ist es dann mit dem Karpfenangeln vorbei.

Nach Rücksprache mit einem Experten am Friedrich-Löffler-Institut (FLI) kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Fischarten durch KHV direkt bedroht sind oder als weiteres Reservoir für KHV fungieren. Dies gilt vor allem für unsere Raubfische. Daher wird der KFV Tübingen, Fische aller in Burlafingen vorkommender Arten, dem FLI für ihre Forschungsarbeiten zur Verfügung stellen und somit die aktuelle Forschung über das KHV unterstützen. Ziel der Forschung ist es eine Möglichkeit zu finden, die Fische zu impfen.

Diese kurze Information kann sicher nicht komplett über das Geschehen informieren und sicher nicht alle Fragen beantworten, daher bitte ich Sie/Euch, werdet Eure Fragen los indem ihr sie an die Redaktion vom Kreisfischer weitergebt, dann haben alle etwas davon und jeder weis anschließend wieder ein wenig mehr. Ich werde alle Fragen im nächsten Kreisfischer aufnehmen und mich bemühen sie zu beantworten.

Hier nochmals das wichtigste in Kürze:

KHV (Koi-Herpesvirus):
Verursacht in 80-100% der Fälle eine tödliche Infektion bei Karpfenarten.

Reservoir:
Friedfische (diese erkranken nicht aber verbreiten das Virus), möglicherweise auch andere Arten.

Bekämpfung:
In Seen nicht möglich, in der Teichwirtschaft konservativ möglich.
Eine Impfung gibt es in Europa nicht (Ein in Israel entwickelter Impfstoff ist hier noch nicht getestet; das FLI arbeitet an der Entwicklung eines Impfstoffes).

Vorsichtsmassnahmen:  
Eine Verschleppung der Viren ist durch Desinfektion der Angelgeräte nach jedem Angeln zu verhindern. Dies gilt für die nächsten Jahre!

Das Verbringen von Fischen aus infizierten Beständen in andere Gewässer ist untersagt.

Bei Nichteinhaltung wird sich die Krankheit auf andere Gewässer ausbreiten und es werden Regressansprüche geltend gemacht werden.

Gefahr für den Mensch:

Besteht nach dem derzeitigen Kenntnisstand nicht.

Helft mit, dass sich das KHV nicht ausbreitet.

Euer

Marco Henkel

(Diplom-Biologe)